The Differences Between IFS Version 6 and IFS Version 7

Im März 2021 trat die IFS Version 7 in Kraft und ist ab dem 1. Juli 2021 für alle zertifizierten Unternehmen verpflichtend. Wir haben mit Chryssa Dimitriadis, der Leiterin des IFS Standard Management gesprochen. Dabei ging es um die Unterschiede zwischen IFS Version 6.1 und IFS Version 7 und die Strategie, die IFS während der Pandemie zur Gewährleistung der Produktsicherheit verfolgt. Außerdem sprachen wir darüber, welche Tools es für Unternehmen gibt, um sich mit den neuen Anforderungen vertraut zu machen. 

Können Sie sich bitte kurz vorstellen, Ihre Rolle bei IFS beschreiben und uns erklären, was der Hauptzweck von IFS ist? 

Ich heisse Chryssa Dimitriadis. Ich bin Lebensmitteltechnikerin. Ich arbeite und wohne in Paris, wo ich seit 2016 Teil des IFS-Teams bin. Seit 2020 bin ich Leiterin des IFS Standard Managements und verantwortlich für die Harmonisierung aller Standards.

Chryssa Dimitriadis, Head of IFS Standard Management

 Gleichzeitig leite ich den IFS Food Standard. In dieser Position habe ich den Überprüfungsprozess zusammen mit meinen Kollegen aus dem IFS Technical Team und den Mitgliedern der verschiedenen IFS Komitees koordiniert.

Die IFS Management GmbH ist ein Unternehmen von FCD und HDE (den französischen und deutschen Einzelhandelsverbänden). Sie umfasst ein Paket globaler Sicherheits- und Qualitätsstandards und Programme, die Transparenz und Vergleichbarkeit entlang der gesamten Ab-Werk-Lieferkette bieten. IFS-Standards gelten für eine Vielzahl von Anwendungen und Tätigkeiten in der Lebensmittel- und Non-Food-Industrie. Ein IFS-Zertifikat beweist, dass das zertifizierte Unternehmen belastbare Prozesse etabliert hat, um sicherzustellen, dass die Lebensmittel- und Produktsicherheit den gesetzlichen Anforderungen und Kundenspezifikationen entspricht.

Sowohl Produktsicherheit als auch Qualität sind wesentliche Bestandteile aller IFS-Standards. Ein IFS Assessment ist produkt- und prozessorientiert und stellt sicher, dass die Entwicklung von Qualitätsprodukten durch entsprechend funktionierende Prozesse sichergestellt wird.

Schon seit Monaten hat COVID-19 Auswirkungen auf die ganze Welt. Kam es für Ihre Kunden aufgrund von COVID-19 zu erheblichen Änderungen? 

Weltweit sind Unternehmen in der Lebensmittel- und Non-Food-Industrie von der Pandemie betroffen. Wir alle mussten uns sehr an diese neue Situation anpassen und entsprechend reagieren. In den ersten Monaten der Pandemie und während den ersten weltweiten Lockdowns war die Situation sehr schwierig. Einige Unternehmen waren mit Herausforderungen in der Lieferkette konfrontiert, während andere Unternehmen ihre Produktionsaktivitäten aufrechterhalten konnten. Es kam zudem auch vor, dass Zertifizierungsprüfungen aufgrund von Reisebeschränkungen oder Krisenregelungen verschoben werden mussten.

In der Krise wollten wir unsere Hauptansprechpartner unterstützen und gleichzeitig die Integrität unserer Zertifikate sicherstellen. IFS hat eine klare, konsistente und transparente Strategie zur Gewährleistung der Produktqualität und -sicherheit verfolgt.  Wir haben verschiedene Tools eingeführt, um Lösungen für alle Hauptansprechpartner bereitzustellen. So haben wir beispielsweise für Unternehmen, deren Zertifikate abgelaufen sind, den IFS Remote Surveillance Check entwickelt. Mit dieser Option kann ein Unternehmen zeigen, dass seine Support-Prozesse weiterhin gut funktionieren. Darüber hinaus haben wir einen praktischen Leitfaden zum Krisenmanagement im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie sowie Dokumente mit Antworten auf häufig gestellte Fragen für Zertifizierungsstellen und Auditoren veröffentlicht.

Außerdem haben wir das IFS Split Assessment eingeführt: eine Inspektion vor Ort, kombiniert mit einer Fernprüfung der Dokumentation. Das Assessment stellt die Integrität eines IFS-Zertifikats sicher und erkennt gleichzeitig sowohl die Belastung an, die die COVID-19-Pandemie auf die Reise von Auditoren ausgeübt hat als auch die Risiken eines ausgedehnten persönlichen Kontakts. Das IFS Split Assessment folgt den GFSI-Benchmarking-Anforderungen. Es gilt für Rezertifizierungs-Assessments aller IFS-Standards und Global Markets Programme (mittlere Stufe). Die einzige Ausnahme gilt für den Standard IFS Broker, für den ein vollständiges Remote-Protokoll gilt.

Ich bin überzeugt davon, dass unsere Richtlinien und Tools dazu beigetragen haben, das Vertrauen in IFS und zwischen Geschäftspartnern in der Lieferkette aufrechtzuerhalten. Wir konnten feststellen, dass die meisten IFS-Zertifizierungsprüfungen trotz aller Herausforderungen stattfinden konnten. Im Jahr 2020 haben wir nur 1,6 Prozent weniger IFS-Lebensmittelzertifikate ausgestellt als im Vorjahr. Insgesamt hatten wir nur einen Rückgang von zwei Prozent. Diese Zahlen bestätigen, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Sie haben vor kurzem IFS Version 7 veröffentlicht. Was sind die wesentlichsten Änderungen gegenüber der Vorgängerversion und was bedeutet dies für IFS-zertifizierte Unternehmen? 

Wenn ich sechs wesentliche Änderungen dieser neuen Version nennen müsste, wären es die Folgenden:

  • Die Betonung von produktionsbezogenen Anforderungen mit einer Mindestdauer für die Bewertung vor Ort und einer Mindestbewertungsdauer von zwei Tagen (ein eher ISO/IEC 17065-basierter Ansatz).
  • Das neue Bewertungssystem mit der Einführung von Korrekturen, die vor Ausstellung des Zertifikats vorgenommen werden müssen, und einer Änderung der Definition der B-Bewertung als Schwerpunkt.
  • Die Verpflichtung, mindestens einmal bei jedem dritten IFS Assessment ein unangekündigtes Assessment durchzuführen.
  • In der Checkliste: Einführung der Lebensmittelsicherheitskultur und Klärung der Erwartungen an die Auslagerung (durch Einführung von drei neuen Anforderungen).
  • Die Vereinheitlichung des Assessment-Berichts, die den Auditoren Zeit spart und für die Benutzer besser lesbar ist.
  • Die Global Location Number (GLN) von GS1, die für Unternehmen im Europäischen Wirtschaftsraum verpflichtend ist.

Die neue Version des IFS Food Standards wird von 281 auf 237 Anforderungen reduziert und enthält 12 neue Anforderungen. Diese Reduzierung verdeutlicht unsere Bereitschaft, das Assessment stärker auf die operativen Aspekte der Unternehmen als auf den Managementsystemaspekt zu fokussieren. Einige Anforderungen, die eher dokumentarisch waren und/oder sich auf das Managementsystem bezogen, wurden zusammengefasst oder gestrichen. So konnten die wesentlichen Elemente eines guten Lebensmittelsicherheits- und Qualitätsmanagementsystems beibehalten werden, die durch die zahlreicheren Anforderungen an bewährte Verfahren und Anforderungen an Produkte und Prozesse unterstützt werden.

IFS Food zertifizierte Unternehmen müssen sich mit den neuesten Anforderungen der Assessment-Checkliste sowie dem aktualisierten Assessment-Protokoll und Bewertungssystem vertraut machen, um die kontinuierliche Verbesserung zu verfolgen und das Vertrauen ihrer Kunden zu stärken.

Bieten Sie spezielle Tools oder Schulungen an, die Ihre Kunden dabei unterstützen, sich mit den neuen Anforderungen vertraut zu machen? 

Mit der Veröffentlichung der neuen Version haben wir zusätzliche erläuternde Dokumente und Tools veröffentlicht.

Die auf der Website kostenlos verfügbare IFS Food Assessment Richtlinie enthält Beispiele für Fragen, die von den Auditoren zu jeder Anforderung gestellt werden können sowie Referenzen der entsprechenden Vorschrift zur Unterstützung von Auditoren und zertifizierten Unternehmen.

Wir haben auch den Vergleich der Checklisten und aller Teile des Standards mit ihrer vorherigen Version veröffentlicht. So kann man besser verstehen, was in dieser neuen Version geändert wurde.

Die IFS Academy bietet E-Learning-Kurse zur neuen Version und zur Produkt- und Lebensmittelsicherheitskultur an. Darüber hinaus haben wir Schulungspartner und Berater auf der ganzen Welt, die Schulungen mit IFS-Material zur neuen Version anbieten.

Zudem nennenswert ist, dass Unternehmen die kostenlose IFS AuditXpressX Software und den IFS App Audit Manager für ihre internen Audits verwenden können. Auf diese Weise können IFS-zertifizierte Standorte ihre internen Audits wie ein IFS-Auditor durchführen. So können sie ihre Leistung leicht einschätzen und Verbesserungspotenziale erkennen. Die IFS App bietet auch alle unterstützenden Dokumente und Richtlinien.

Jede neue Version hat einen gewissen Einfluss auf die zertifizierten Standorte. Aber was bedeutet das für die Zertifizierungsstellen? Wie gehen Sie bei der Schulung der Auditoren vor? 

Es ist uns wichtig, unsere Hauptansprechpartner und insbesondere die Zertifizierungsstellen zu unterstützen und über die neue Version zu informieren. Auf der jährlichen IFS-Zertifizierungsstellenkonferenz im Jahr 2020 haben wir ihnen erstmals alle relevanten Änderungen erläutert und gezeigt. Darüber hinaus haben wir einen TTT-Kurs („Train the Trainer“) ins Leben gerufen und alle IFS-Schulungsleiter der Zertifizierungsstellen geschult. Mit den Erkenntnissen aus diesem Kurs konnten sie ihre eigenen IFS-Auditoren qualifizieren.

Darüber hinaus haben wir einen eintägigen E-Learning-Kurs für die IFS-Auditoren erstellt, der sich auf den Produkt- und Prozessansatz von IFS konzentriert. Für IFS ist es von zentraler Bedeutung, dass IFS-Auditoren weltweit das gleiche Verständnis dieses Ansatzes haben. Asserdem können Auditoren auch die IFS Good Assessment Practices (GAP) Richtlinie herunterladen. In der IFS GAP Richtlinie beschreiben wir die Besonderheiten eines IFS Assessments und was von einem IFS-Auditor entlang des Assessment Trails erwartet wird. In der Richtlinie finden Sie typische Auditorenfragen und praktische Ratschläge zum Verhalten in bestimmten Assessment-Situationen. Zusammen mit unserem neuen E-Learning-Kurs zum Produkt- und Prozessansatz von IFS für IFS-Auditoren sieht IFS darin ein wesentliches Element, das die hohe Qualität unserer Assessments sicherstellt.

Nicht zuletzt haben wir allen Zertifizierungsstellen die Software IFS AuditXpressX kostenlos zur Verfügung gestellt.Diese ist ein hilfreiches Tool für Zertifizierungsstellen und Auditoren und vereinfacht die Erstellung der IFS-Berichte und Zertifikate.

Die gesamten Geschäftsabläufe zeichnen sich durch strengere Anforderungen und Vorschriften zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit aus. Sehen Sie schon irgendwelche anstehenden Regelungen, die die Zukunft prägen werden? Oder gibt es bestimmte Änderungen, die Sie sich aufgrund Ihres Fachwissens wünschen? 

Die Europäische Union (EU) hat vor kurzem eine Verordnung verabschiedet, die Lebensmittelunternehmen verpflichtet, eine angemessene Lebensmittelsicherheitskultur aufzubauen und nachzuweisen. In der Checkliste der IFS Food Version 7 wurden zwei Varianten der Lebensmittelsicherheitskultur aufgenommen, um die Bedeutung der Unternehmenspolitik und Managementbewertung durchzusetzen. Dies ist ein Beispiel für überarbeitete Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit, die von allen Unternehmen in der EU umgesetzt werden müssen und die Zukunft der Lebensmittelsicherheit sicherlich prägen werden.

Ausserdem beobachten wir seit einigen Jahren, dass Verbraucher Produkte kritischer betrachten. Ihre Erwartungen an Produkte gehen über die Lebensmittelsicherheit hinaus. Themen wie Nachhaltigkeit, CO2-Bilanz und die Herkunft von Produkten und Rohstoffen werden meiner Meinung nach in Zukunft eine noch entscheidendere Rolle spielen. Gemeinsam mit den Hauptansprechpartnern im IFS-Netzwerk müssen wir über diese Themen nachdenken, wobei die Stärkung des Vertrauens in die Lebensmittelsicherheit und -qualität weiterhin unsere zentrale Aufgabe sein wird.